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Licht der Hoffnung: Gestern wurde der erste
öffentliche Defibrillator im Kreis installiert
Es kommt auf die Minute an: Um zehn Prozent sinken bei einem
massiven Herz- und Kreislaufkollaps mit sogenanntem Kammerflimmern pro 60 Sekunden
die Überlebenschancen. Ein neues Gerät am Nürtinger K3N sorgt nun dafür, dass
auch Laien Leben retten können.
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NÜRTINGEN. Laut Dr. Rudolf Handschuh, dem Vorsitzenden des
DRK-Ortsvereins Nürtingen, kommt es Jahr um Jahr in Deutschland zu rund 700 000
(laienhaft ausgedrückt) Herzstillständen. Etwa 100 000 davon verlaufen tödlich.
„Außerhalb der Klinik beträgt die Überlebensrate nur rund fünf Prozent“, sagt der
Mediziner und Rotkreuzler und führt dies auf die mangelnde Fachkunde der Menschen
rings um den Betroffenen und auch auf mangelnde Gerätschaften zurück.
Ein Feuerlöscher sei heutzutage fast überall vorgeschrieben. Bei einem Defibrillator,
wie er seit gestern in der Nähe des Seiteneingangs des Nürtinger K3N einsatzbereit ist,
handelt es sich hingegen eher um eine Ausnahmeerscheinung. Das Gerät an der Stadthalle
ist das erste öffentlich zugängliche im ganzen Kreis Esslingen. Ein Meilenstein in der
Geschichte der Ersten Hilfe zwischen Alb und Fildern mithin.
Wie funktioniert nun das Gerät? Laut Handschuhs Vize Uwe Bantleon setzt bei einer solch
lebensbedrohlichen Situation das Herz nicht etwa schlagartig aus, sondern „flimmert“
für etwa drei bis Minuten. Während dieser Frist könne man mit dem Defibrillator die
Herzmuskelfasern wieder in eine Richtung bringen. Ein Elektroschock helfe, sie zu
synchronisieren und wieder einen Gleichtakt herzustellen.
Handschuh vergleicht das mit einem stotternden Motor. „Den muss man auch erst mal zum
Rundlauf bringen, bevor man sich um die anderen Dinge kümmert.“ Während des
Kammerflimmerns sei die Pumpfunktion des Herzens nämlich gleich null. Ein Defibrillator
könne erst mal für relative Stabilität sorgen, bis die Ersthelfer und der Notarzt
eintreffen. Beide werden mit Inbetriebnahme des Geräts parallel alarmiert.
Dessen Bedienung ist übrigens kinderleicht. Jeder Laie kann und soll damit umgehen
können, ohne Angst, etwas falsch zu machen. Denn der Defibrillator erklärt sich selbst.
Aber was muss man tun? Der Platz am K3N wurde deswegen gewählt, weil sich dort oder in
unmittelbarer Nähe immer viele Menschen aufhalten. Das Gerät ist transportabel, sollte
also etwas auf dem Wochenmarkt oder im Kaufland passieren, kann es ebenfalls schnell
vor Ort sein.
Passiert ein Notfall, muss man nur den untersten von drei Knöpfen drücken. Dann wird
eine Verbindung zur Rettungsleitstelle in Esslingen hergestellt. Die gibt das Gerät
frei, nachdem sie sich überzeugt hat, dass kein Missbrauch damit getrieben wird (per
Videoüberwachung kann man das Geschehen einschätzen).
Ein Pfeifton ertönt, die Klappe öffnet sich, man kann das Kästle mit dem Gerät rausholen.
Nach dem Öffnen der Box erklärt es sich selbst, es ist unmöglich, Fehler zu machen.
Zunächst gilt es, zwei Elektroden auf der nackten Brust des in Not geratenen Menschen
anzubringen und den Stecker dafür in das Gerät zu platzieren. Das analysiert selbständig
den Herzrhythmus und gibt die richtige Anweisung. „Kein Schock empfohlen“, heißt: Nix tun.
Die entsprechende Taste kann gar nicht gedrückt werden. Ansonsten blinkt dort ein Licht,
wo der Stromstoß ausgelöst werden soll.
Möglich wurde diese segensreiche Einrichtung übrigens nur durch unsere Aktion
„Licht der Hoffnung“. Unsere Leser haben dadurch einmal mehr an Nürtingen als sozialer
Stadt mitgebaut und helfen beim Lebenretten. Dafür sagten Handschuh und das gesamte Team
des Roten Kreuzes bei der offiziellen Übergabe gestern ganz herzlichen Dank.
Auch Hausmeister, Feuerwehr und Polizei werden demnächst am Defibrillator geschult. Und
auch den Geschäftsleuten in der Nähe und der Bevölkerung allgemein will man dessen
Funktion unter Einsatz einer Testpuppe nahebringen. Damit jeder weiß: Er ist nicht
seiner Hilflosigkeit ausgeliefert, wenn ein Mensch neben ihm mit dem Tode ringt.
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Freuen sich über den neuen Defibrillator: V. Klaußer,
Geschäftsführer von Stadtwerken und K3N, unser Marketingchef C. Fritsche, Stadtrat
H. Nauendorf, DRK-Ortsvereinsvorsitzender Dr. R. Handschuh, dessen Vize U. Bantleon,
Verlegerin M. Krichenbauer, Stadtrat R. Wipper, Bürgermeister R. Siebert und
DRK-Kreisgeschäftsführer K. Rau (von links).
Quelle Nürtinger Zeitung
vom 27.05.2010
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